Der Grüne Gockel – Kirchengemeinden mit umweltgerechtem Handeln

Bewahrung der Schöpfung ist zentrale Aufgabe der Kirche: „Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ (1.Glaubensartikel). Umweltmanagement als systematischer Weg verankert Umwelthandeln und damit unsere Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung in kirchlichen Strukturen und Arbeitsabläufen. Der Grüne Gockel ist konform mit der Europäischen Öko-Audit-Verordnung EMAS (eco management and audit scheme) und berücksichtigt darüber hinaus kirchliche Rahmenbedingungen. Die Umsetzung orientiert sich an der individuellen Ausgangslage der Kirchengemeinde. Ehrenamtliche Kirchliche Umweltauditor/innen und die landeskirchlichen Geschäftsstellen unterstützen die Gemeinden. Der Grüne Gockel ist ein Beitrag für eine schöpfungsgerechte Welt und ein Schritt zu einer Kirche mit Zukunft.

Die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg beschloss im Herbst 2002 die flächendeckende Einführung des Grünen Gockels und wird unterstützt vom Umweltministerium Baden-Württemberg.

Beteiligte Landeskirchen und Diözesen haben sich im ökumenischen Netzwerk „Kirchliches Umweltmanagement“ (KirUm) zusammengeschlossen. Der Grüne Gockel ist aktive Ökumene.

Über 700 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in Deutschland arbeiten schon erfolgreich mit dem Grünen Gockel.

Als Mentorin begleitet Ulrike Ludwig-Schwaderer aus der Kirchengemeinde Beutelsbach den Prozess am Anfang; sie arbeitet schon seit zehn Jahren mit dem Grünen Gockel. Am Ende steht die Umwelterklärung. Nach der erfolgreichen Validierung wird der Kirchengemeinde die Auszeichnung „Grüner Gockel“ für drei Jahre verliehen. Dann erfolgt eine erneute Überprüfung.

Die Kirchengemeinde bzw. die Öffentlichkeit soll durch Veranstaltungen, Presseerklärungen immer über die Maßnahmen des Umweltteams auf dem Laufenden gehalten werden.

Es geht nicht nur um Verminderung der Umweltbelastung und Kostenreduzierung durch geringeren Material- und Energieverbrauch. Es geht auch darum, dass die Kirche ein Vorbild für nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung ist. Die Kirchengemeinde zeigt sich als Multiplikatoren-Modell, die die Schöpfung in ihrem Handeln immer mitdenkt, die über das redet, was sie tut, die in ihrem Handeln transparent ist, Auskunft gibt und andere ansteckt. 

Auf dem Weg zum Grünen Gockel

Schritt für Schritt zu einer umweltgerechten Gemeinde

Im Februar 2020 einigte man sich beim Klausurwochenende des Kirchengemeinderates der Gesamtkirchengemeinde darauf sich mit dem Thema „Grüner Gockel“ zu beschäftigen. Der „Grüne Gockel“ ist eine Art Gütesiegel für Kirchengemeinden. Er wird den Gemeinden verliehen, die sich ganz bewusst um Themen des Natur- und Umweltschutzes bemühen. Es sollen nicht nur Ideen entwickelt werden, sondern diese sollen im Rahmen der Möglichkeiten auch umgesetzt werden. Zur Umsetzung dieser Idee wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die im Juli 2020 ihre Arbeit aufgenommen hat.

Für die ersten Treffen holte sich die Gruppe fachliche Beratung u.a. bei Frau B. Ludwig-Schwaderer, die als Umweltauditorin Kirchengemeinden berät, die sich um die Anerkennung des „Grünen Gockels“ bemühen.

Zur Kernener Gruppe gehören zurzeit: Charlotte Frank, Ulrike Ebeling-Silber, Dorothee Haug von Schnakenburg, Andrea Höchstädter, Karin Pöhler, Tobias Setzer und Christine Weidner-Wahler. Die Gruppe hat sich auf den Namen „Team Grüner Gockel“ geeinigt.

Als Umweltbeauftragter wurde Tobias Setzer benannt. Er ist der Ansprechpartner für Kirchengemeinde und Landeskirche.

Als relevante Arbeitsfelder hat sich die Gruppe folgendes für die Gemeindehäuser und Kirchen vorgenommen. Es wurde bereits mit folgenden Arbeiten zum Gebäudecheck begonnen:

1.      Das Führen eines Datenkontos bezogen auf Energie- und Wasserverbrauch. Das bedeutet ein regelmäßiges dokumentieren der Zählerstände, um daraus Folgerungen für Veränderungen ziehen zu können.

2.      Eine Bestanderfassung zum Thema Müllvermeidung und -trennung.

3.      Es wird dokumentiert, welche Reinigungsmittel seither benutzt werden. Auch hier geht es um mögliche Verbesserungen im Sinne der Umweltverträglichkeit.

Es gibt viele kleine Posten bei der weiteren Arbeit zu vergeben. Interessierte Gemeindeglieder, die uns bei dieser Aufgabe unterstützen möchten, sind herzlich willkommen.

Ein Fernziel ist, nicht nur umweltgerecht, sondern auch fair zu handeln. Denn fair gehandelt ist ein Teil des umweltgerechten Handelns.

Unser Grüner-Gockel-Team

Grüner-Gockel-Team Rommelshausen (v.l.n.r.: Karin Pöhler, Christine Weidner-Wahler mit Speedy und Dorothee Haug von Schnakenburg)

Grüner-Gockel-Team Stetten (v.l.n.r.: Tobias Setzer, Charlotte Frank und Andrea Höchstädter)

Im Kreuzverhör: „...wir sind nur Gäste auf unserer Erde.“

Kirchengemeinderätin Christine Weidner-Wahler aus Rommelshausen und Kirchengemeinderat Tobias Setzer aus Stetten engagieren sich im AK „Grüner Gockel“

Der Gockel in Gold schmückt so manchen Kirchturm und zeigt weithin an: Hier ist Kirche. Hier wird Jesus verkündigt. Gockel in Grün ist auch eine klare Botschaft. Warum gehört Umweltbewusstsein Ihrer Meinung nach zu unserm Glauben?
Christine Weidner-Wahler: Ich glaube, dass wir Menschen uns als Gäste auf unserer Erde sehen und uns dementsprechend verhalten sollten.

Tobias Setzer: Es steht schon ganz zu Beginn in der Bibel, im 1. Mose im 2.Kapitel, dass wir Menschen die Erde bebauen, aber zugleich auch bewahren sollen. Ich finde, das ist für uns Menschen und um so mehr für uns Christen doch ein wichtiger Auftrag.

Sie sind beide Mitglieder des Arbeitskreises „Grüner Gockel“. Wann und unter welchen Umständen hat dieser AK sich zusammengefunden?

Tobias Setzer: Am Klausurwochenende 2020 des Gesamtkirchengemeinderates im oberschwäbischen Kloster Reute zu Beginn des letzten Jahres, hat sich aus einer Arbeitsgruppe herauskristallisiert, dass beide Kirchengemeinden, Stetten und Rommelshausen, ökologischer und fairer werden wollen und dass dies gemeinsam sehr viel leichter und einheitlicher umsetzbar ist.

Wie sehr unsere Lebensgrundlagen Aufmerksamkeit und Schutz brauchen, wissen viele schon lange. Wo wurde in unseren Gemeinden bisher schon auf Umweltschutz und Ressourcenschonung geachtet?

Christine Weidner-Wahler: In Rommelshausen wurden schon energiesparende Investitionen getätigt. Allem voran wurde vor einigen Jahren die Heizungssteuerung in der Mauritiuskirche erneuert und binnen weniger Jahren viel Energie und auch Geld eingespart. Ebenso wurde begonnen den Verbrauch der verschiedenen Heizungen zu dokumentieren. Dies werden wir aber jetzt im „Grünen Datenblatt“ regelmäßig dokumentieren.

Tobias Setzer: Grundlegende Dinge haben wir ja bereits umgesetzt. Wir verzichten auf Einweggeschirr bei Festen. Wir haben unsere Heizungen im Blick: Im Stettener Gemeindehaus ist die Heizkurve angepasst und in der Kircheninnenrenovierung wurde 2016 in Stetten die Bankheizung erneuert und kann nun energieeffizienter gesteuert werden. Jede Form von Energie und Rohstoff, die nicht aufgewendet werden muss, ist natürlich das Optimum.

Welche konkreten Stellschrauben gibt es überhaupt, an denen in unseren Kirchengemeinden noch stärker gedreht werden kann?

Tobias Setzer: Beim Einsparen von Heizenergie ist durch intelligente Heizungssteuerungen in den einzelnen Häusern sicherlich noch etwas möglich. Im Stettener Gemeindehaus ist da schon einiges umgesetzt. Auch in der Beleuchtungstechnik ist durch moderne Leuchtmittel oder Bewegungsmeldern noch ein großer Einspareffekt beim Strom zu realisieren

Ein großes Potenzial sehe ich darin, vollständig auf ökologische Reinigungsmittel umzustellen. Da gibt es heutzutage doch klasse Produkte. Und es gibt nicht nur fair gehandelten Kaffee und Orangensaft, sondern auch regional Erzeugtes, das bei Festen und Veranstaltungen angeboten werden kann.

Wo liegt nach Ihrer Meinung das größte Potential der Kirchengemeinden, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten?

Christine Weidner-Wahler: Natürlich liegt der Schwerpunkt in der Einsparung von Energie in den verschiedenen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen. Aber ich meine, dass wir durch das Grüne Gockel-Team auch ein Bewusstmachen oder Bewusstwerden anstoßen können, was sich weniger messen und zahlenmäßig ausdrücken lässt, aber vielleicht noch viel wichtiger ist.

Bekommt der Arbeitskreis „Grüner Gockel“ denn auch Unterstützung und Anregung von der Kirchenleitung? Wenn ja, welche? Wenn nein, wo wäre Unterstützung hilfreich?

Christine Weidner-Wahler: Ich finde, dass wir gut unterstützt und informiert werden. Eine Menge Infos bekamen wir vom Umweltbüro der Geschäftsstelle Grüner Gockel von der Landeskirche in digitaler Form, aber auch in einer Informationsveranstaltung. Von Anfang an haben wir eine Begleiterin zur Seite, die seit Jahren in Beutelsbach einem Umweltteam angehört. So können auftretende Fragen und nächste Schritte schnell und direkt abgesprochen und diskutiert werden.

Tobias Setzer: Wir haben den Zugriff auf das „grüne Datenkonto“ auf der Landeskirchenhomepage zum Führen unserer Verbrauchszahlen (Strom, Wasser, Gas, Öl) und für die Übersicht unserer Gebäude und Flächen. Die Beutelsbacher sind schon seit über 10 Jahren dabei.

Wenn ein Arbeitskreis sich Gedanken macht zu Schritten und Projekten des Umweltschutzes, kommen u.U. schnell viel gute Ideen zusammen. Sind denn alle realistisch? Wo sehen Sie auch Grenzen?

Christine Weidner-Wahler: Natürlich könnten wir große Pläne zur Gebäudesanierung machen – das wäre ziemlich unrealistisch. Doch ich denke es gibt viele kleine Aktionen, die wir durchführen könnten, die effektiv und auch wichtig sind. Konkrete Projekte haben wir bisher auch coronabedingt noch nicht geplant.

Tobias Setzer: In der Tat uns kamen schon viele gute Ideen. Da wir ja erst seit Sommer 2020 ganz langsam starten konnten, hatten wir letztes Jahr erst einmal zwei Sitzungen. Die größten Grenzen sehe ich in unseren Gebäuden und unseren Köpfen: Technisch und finanziell sind unsere beiden Gemeindehäuser nur sehr schwer zu dämmen, sie stammen aus den 1960er und 1970er Jahren. Dieser Aufwand wäre wahrscheinlich auch viel zu hoch. Und uns muss bewusst sein, dass jede Veranstaltung in unseren Kirchengemeinden Energie benötigt, damit auch die Umwelt belastet und Kosten produziert.

Apropos Grenzen: In unserer früheren (Gockel-zertifizierten) Gemeinde Leutkirch baute -bis eine Lösung gefunden war- ein Storchenpaar ein paar Jahren lang auf dem Heizungs-Kamin der Kirche sein Nest. Mäßig begeistert saßen die Leute bis Mai mit dicken Mänteln im Gottesdienst. Was würde der „Grüne Gockel“ den Gemeindegliedern in Kernen u.U. zumuten?

Tobias Setzer: Auch wenn wir eine „Grüne-Gockel-Gemeinde“ sind, bedeutet das ja nicht, dass wir bei 18-20 Grad im Winter fröstelnd in den Kirchengemeinderäumen sitzen. Am Komfort wird uns da nichts fehlen.

Sicherlich kann es einmal eine Notlage wie die in Leutkirch mit dem Storch geben oder eine Heizung fällt aus. Das muss dann aber zeitnah gelöst werden. Es geht vielmehr darum, Verschwendung und Unnötiges aufzudecken und zu beheben: Warum ist der Durchlauf an Wasserhähnen der Toiletten oft zu hoch? Oder warum wird unsere Stettener Kirche nachts so lange angestrahlt; warum überhaupt?

Verbinden sich mit dem Zertifikat „Grünen Gockel“ außer einem guten Gefühl sonst noch Vorteile?

Christine Weidner-Wahler: Ich erhoffe mir, dass wir unser Bestmögliches tun, um möglichst viel Energie einzusparen und nachhaltig zu agieren. Dies wird dann mit dem Grüner Gockel besiegelt.

Tobias Setzer: Vor allen Dingen wollen wir doch durch die Maßnahmen, die zu diesem Zertifikat führen, die Umwelt entlasten. Natürlich werden wir auch dann noch Emissionen in Luft, Wasser und Boden eintragen, aber die sollten doch dann sehr viel weniger und somit ökologischer sein. Sehen werde ich das als einzelnes Kirchengemeindeglied beim Besuch von Gottesdiensten, Gruppen und Veranstaltungen sehr wahrscheinlich nicht, aber die Folgen sind mir doch bewusst. Einen grünen Gockel als Bild auf einem weißen Blechschild neben der Gemeindehaustür brauche ich persönlich als „Schmuck“ nicht.

Ich vermute, dass Sie sich nicht zufällig für die Mitarbeit im Arbeitskreis „Grüner Gockel“ entschieden haben. Wodurch ist bei Ihnen das Umweltbewusstsein entstanden oder vielleicht auch gewachsen?

Christine Weidner-Wahler: Ich denke, dass jeder der/die über das große Ganze nachdenkt, schnell auf das Thema Umweltschutz und Bewusstsein kommt. Bei mir ist dies unmittelbar mit naturnaher Ernährung und meinem Einkaufsverhalten verbunden.

Tobias Setzer: Ich wurde schon als Kind im Sinne erzogen, dass wir Menschen die Natur benötigen, um auf dieser Welt eine Zukunft zu haben. Die Natur bräuchte uns Menschen nicht, wir sie aber schon. Alles, was wir essen und trinken, kommt doch aus der Natur.

Absolut schockiert bin ich seit vielen Jahren, dass durch den Klimawandel die Welt sich so radikal negativ entwickeln wird, dass viele Lebewesen auf unserer Erde in ihrer Existenz bedroht sind. Und wir Menschen daran der Haupt-, wenn nicht sogar der alleinige Verursacher sind.

Gibt es in ihrem persönlichen Alltag Dinge, die Sie zur Bewahrung unserer Schöpfung dauerhaft verändert haben?

Christine Weidner-Wahler: Ich versuche möglichst viele biologisch angebaute, regionale Lebensmittel einzukaufen. Abgesehen davon, dass ich viel von gesunder, naturnaher Ernährung halte, ist die biologische Anbauweise meiner Meinung nach das, was der Natur am nächsten kommt.

Tobias Setzer: Ja Manches und doch zu wenig: Ich versuche viele Wege mit dem Fahrrad und dem ÖPNV zurück zu legen. Ich habe zweimal schon über insgesamt 7 Jahre kein Auto besessen. Ich habe zu Hause nur noch Wasch-, Spül-, Reinigungs- und Pflegeprodukte die komplett biologisch abbaubar sind. Plastikbehältnisse in Küche und Haushalt reduziere ich von Jahr zu Jahr. Habe aber immer noch welche. Ein Irrsinn finde ich unsere Lebensmittelverpackungen. Da versuche ich beim Einkauf schon Verpackungen, besonders Plastik und bedruckte Kartons zu vermeiden.

Jahr für Jahr finde ich es interessant die Heizung möglichst spät einzuschalten und früh wieder in den „Sommermodus“ zu wechseln.

Nicht nur am Beispiel des Klimawandels kann man den Eindruck bekommen, dass lokale oder auch persönliche Umweltschutzbemühungen zu schwach sein oder zu spät kommen könnten. Was lässt Sie auch zuversichtlich sein?

Christine Weidner-Wahler: Die Hoffnung stirbt zuletzt….  

Tobias Setzer: Wenn ich die Nachrichten der letzten 15 Jahre anschaue, lässt mich das sehr wenig zuversichtlich sein. Wir stecken schon zu tief im Fahrwasser des Klimawandels drin.

Trotzdem habe ich noch Hoffnung, dass wir über viele Jahrzehnte hinweg die Umwelt wieder verbessern können. Das braucht aber große Einschnitte. Wir sollten auch heute noch ein „Apfelbäumchen“ pflanzen, am besten zwei.

Die Fragen stellte Pfarrer Konrad Autenrieth